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Raoul Peck: Wahrheit und Widerstand

Raoul Peck ist zurück: Mit seinem neuen Dokumentarfilm Orwell: 2 + 2 = 5 richtet der haitianisch-französische Filmemacher seinen unbestechlichen Blick auf manipulierte Wahrheiten, missbrauchte Sprache, den Kampf um Erinnerung und schafft damit ein Œuvre von dringlicher Aktualität. In rund 20 Werken hat Peck ein eigenes Kino entwickelt, eines, das Film mit grosser Selbstverständlichkeit aus einer Schwarzen, postkolonialen Erfahrung neu denkt, kontinenteübergreifend und unter vielfachen Referenzen auf seinen persönlichen theoretischen Kanon von James Baldwin, Karl Marx bis zu Patrice Lumumba. Die Retrospektive zeigt einen Filmemacher, der Geschichte nicht als abgeschlossen begreift, sondern als offene, umkämpfte Erzählung. Je nach Thema nähert Peck sich ihr in Form von essayistischen Dokumentarfilmen oder gross angelegten Spielfilmprojekten – und manchmal, wie beim verheerenden Erdbeben in Haiti von 2011 oder beim Mord am kongolesischen Ministerpräsidenten Lumumba, auch mit beiden Herangehensweisen. Politik ist in diesem Kino keine Option, sondern Notwendigkeit, um die Gegenwart zu verstehen und herauszufordern. Pecks Filme treten einem mit Selbstbewusstsein entgegen, wissen um ihre analytische Kraft, ihre ästhetischen Qualitäten wie auch um ihre Poesie und laden gerade so ein zum Nachdenken und zum Austausch über die Wirklichkeiten der Welt. Zur Deutschschweizer Premiere von Orwell: 2 + 2 = 5 ist Raoul Peck im Filmpodium zu Gast.