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Sélection Lumière: 12 Angry Men

Justitia ist zwar heute nicht mehr ganz so alt, weiss und männlich wie 1957 in Sidney Lumets 12 Angry Men, aber die Wahrheitsfindung in Geschworenenprozessen läuft wohl nach wie vor ähnlich argumentativ ab. Ein Paradebeispiel für Ensemble-Schauspielkunst und Hochspannung, die ohne Action auskommt. (Spieldaten: Mi, 4.3., 18:15 // Mi, 18.3., 20:45) «Pfund für Pfund bietet Sidney Lumet immer noch die beste Filmografie aller New Yorker Giganten (sorry, Martin Scorsese), und wenn man bedenkt, dass er seine Karriere als Spielfilmregisseur mit dieser brillanten Charakterstudie begonnen hat, erbleicht man vor dem Talent dieses Mannes. Das Szenario von Reginald Rose, das sich im Laufe eines langen Sommertages und -abends in einem einzigen Geschworenenraum abspielt, war ursprünglich für eine Fernsehproduktion vorgesehen – wie auch Lumet selbst der rasanten Welt des live übertragenen Fernsehspiels entstammt. Der Regisseur aber nutzte die technischen Freiheiten, die ihm ein erstklassiger Kameramann wie Boris Kaufman gewährte, und steigerte mit jeder Nahaufnahme die Klaustrophobie. Oftmals steht dieses Dutzend Geschworene augenscheinlich kurz davor, handgreiflich zu werden; dieser Film über einen Mordprozess handelt von Überzeugungsarbeit, zeigt aber auch das ausgeprägte Talent der New Yorker, auf engem Raum zu koexistieren.
Doch wer hätte etwas gegen solche Gesellschaft einzuwenden? Zu Recht wird 12 Angry Men für seine durchweg tolle Besetzung gefeiert, allen voran Henry Fonda als Fürsprecher und Mann der leisen Töne und Lee J. Cobb als schwer belehrbares Grossmaul, das mit Vaterproblemen ringt und einen undankbaren Teenager nicht freisprechen will. (...) Heutzutage machen allzu wenige Filme die Kunst des Argumentierens zum Thema; wir könnten sicher mehr davon gebrauchen, aber bis dahin wird Lumets Einblick in die Mühen der Bürgerpflicht weiterhin beste Dienste leisten.» (Joshua Rothkopf, timeout.com, 2.7.2013)

Filmreihen
17. Mär. - 30. Apr. 2020