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Reedition: Lola von Jacques Demy

Als «poetisches Märchen für Erwachsene» wurde Jacques Demys Erstling bezeichnet; er selber wünschte sich, dass die Zuschauer «lächelnd aus dem Saal» herauskämen. Trotz Raoul Coutard an der Kamera ist seine musikalische Komödie mit Anouk Aimée weniger der damals blühenden Nouvelle Vague verpflichtet als dem poetischen Realismus. (Spieldaten: Hier) Gewidmet hat der 29-jährige Demy seinen Film Max Ophüls, dem Meister von eleganten, melancholisch abgeklärten Liebesgeschichten, die oft ein Hauch von Bitterkeit umweht. Dieser Hauch umgibt auch Cécile, die unter dem Namen Lola im Hafen von Nantes als Tänzerin im «Eldorado» arbeitet und unerschütterlich auf die Rückkehr von Michel wartet, der sie als ganz junges Mädchen verführt und schwanger zurückgelassen hatte. Die Liebe ihres Jugendfreundes Roland, den sie zufällig wieder trifft, kann sie nicht erwidern. Auch geht das Gerücht um, Michel sei in der Stadt gesehen worden.
Den Mittelpunkt des Films bildet Anouk Aimée als Lola. 1932 geboren, begann sie ihre Filmlaufbahn als 14-Jährige; mit Les amants de Vérone von André Cayatte erlebte sie den Durchbruch. Das Drehbuch, frei nach Shakespeares «Romeo and Juliet», stammte von André Prévert, einer der führenden Figuren des Réalisme poétique, und er war es auch, der ihr statt ihres Geburtsnamens Françoise Sorya Dreyfus den Künstlernamen Anouk Aimée vorschlug. Mit ihrer geheimnisvollen, zurückhaltenden Eleganz, einer seltsamen Mischung aus verführerischem Charme und Unnahbarkeit, schuf sie einen neuen Typ von Femme fatale, unvergessen in Fellinis La dolce vita (1960) und Otto e mezzo (1963), besonders aber an der Seite von Jean-Louis Trintignant in Claude Lelouchs Un homme et une femme, dem international wohl bekanntesten Film der Grande Dame des französischen und italienischen Films der Nachkriegsjahrzehnte. (cs)