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Premiere: Amour fou

Amour fou

Die österreichische Filmemacherin Jessica Hausner sieht Heinrich von Kleists Doppelselbstmord als eine Verkettung von tragikomischen Missverständnissen. Stimmig ist ihr Hauptdarsteller Christian Friedel, der dem Dichter auf dem berühmten Gemälde von Peter Friedel verblüffend ähnlich sieht. Berlin, zur Zeit der Romantik. Der Dichter Heinrich von Kleist hegt den Wunsch, durch die Liebe den unausweichlichen Tod zu überwinden. Seine ihm nahestehende Cousine Marie lässt sich aber partout nicht zu einem gemeinsamen Selbstmord überreden. Doch die junge Ehefrau eines Bekannten, Henriette Vogel, findet Gefallen an dem poetischen Angebot – just als sie erfährt, dass sie sterbenskrank sei. Eine ironische Tragikomödie, frei inspiriert durch Kleists Suizid.

«Die komödiantischen Untertöne in diesem sehr nüchternen Film sind gewollt. Jessica Hausner betrachtet ihn tatsächlich, nur halb ironisch, als romantic comedy und als politisch explizit: Neue Steuergesetze sollen in Kraft treten, hört man, das Ende der Leibeigenschaft wird erwogen. Amour fou spielt in einer sich rasant wandelnden Welt, das Experiment Demokratie, verdammungswürdig, wie die höheren Stände meinen, kommt gerade in die Gänge. So geht es letztlich nicht um eine Liebe, sondern um eine blosse Übereinkunft, und nicht um Wahnsinn, eher nur um die unheilvolle Verkettung von Selbstsucht, Naivität und fehlerhafter Planung. Im Kino geht diese Themenverfehlung auf. Die beklemmende Liaison von Politik und Tod ist die eigentliche Amour fou dieses Werks.» (Stefan Grissemann, Profil, 24.5.2014)

«Es ist ein grossartiges Spiel der Projektionen, das die österreichische Regisseurin und Autorin Jessica Hausner in Amour fou betreibt. Heinrich von Kleist ist bei ihr ein überspannter Romantiker, der von der Wucht der eigenen Gefühle so begeistert ist, dass er die Damen der Berliner Salons fast wahllos überrumpelt. ‹Würden Sie mit mir sterben wollen?› Mit diesen Worten bedrängt Kleist im Verlauf der Jahre 1810 bis 1811 gleich mehrere Frauen. Dass es schliesslich Henriette Vogel ist, die sich von Kleist am 21. November 1811 am Griebnitzkanal erschiessen lässt, bevor er die Pistole gegen sich selbst richtet, erscheint bei Hausner als Folge einer Reihe von fürchterlichen Missverständnissen, deren Tragikomik sie virtuos ausschöpft.» (Hannah Pilarczyk, Der Spiegel, 14.1.2015)