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Lone Star

John Sayles zählt zu den wichtigsten Independentfilmern der USA. Ausgebildet in Roger-Cormans B-Movie-Küche, schuf er bald eigenwillige Milieustudien, die Einblicke unter die Oberfläche des American Dream vermitteln. Lone Star (1996) ist sein Meisterwerk.
Spieldaten: Mi, 25.1., 18:15 // Di, 7.2., 20:45 // Di, 14.2., 20:15

«Vordergründig ist es reine Unterhaltung. In der Wüste bei einer texanischen Stadt nahe der mexikanischen Grenze wird ein Skelett gefunden. Die Gebeine gehören einem verhassten Sheriff aus den 1950er-Jahren. Der jetzige Sheriff vermutet, dass sein eigener Vater den Mord begangen haben könnte. Während er die Geheimnisse der Vergangenheit erforscht, beginnt er sich erneut in seinen Jugendschwarm zu verlieben. (...)
Diese Geschichten – der Mord und die Romanze – bilden das Rückgrat des Films und fesseln uns bis zum Schluss. Aber Sayles hat noch viel mehr im Sinn als Morde und Liebesgeschichten. Wir beginnen, ein Gefühl für die Menschen in Rio County zu entwickeln, wo Weisse, Schwarze, Chicanos und Seminolen sich alle unterschiedlich an die Vergangenheit erinnern. Wir begreifen, dass der tote Sheriff ein sadistisches Monster war, das mit der Waffe an der Hüfte durchs Leben stolzierte und sich das Gesetze nach Lust und Laune zurechtlegte, sodass viele Menschen Grund hatten, ihn zu töten – nicht zuletzt sein Stellvertreter Buddy Deeds. Kurz vor Charlies Verschwinden tauschten sie in einem Restaurant Todesdrohungen aus. Buddy wurde zum neuen Sheriff. (...)
All diese Ereignisse entfalten sich so natürlich und einnehmend, dass man einfach nur mitfiebern kann. Sayles hat schon andere Filme gemacht, die vielen Handlungssträngen gleichzeitig folgen (...). Aber noch nie hat er es auf so fesselnde Weise getan; wie Faulkner erzeugt er einen klaren Eindruck davon, wie die Vergangenheit die Gegenwart heimsucht und wie alte Wunden und Geheimnisse die Überlebenden plagen können. (...)
Lone Star ist ein grosser amerikanischer Film, einer der wenigen, die ernsthaft versuchen, die Art und Weise, wie wir heute leben, mit offenen Augen zu betrachten. Er spielt in einer Stadt, die bis vor Kurzem noch von einer strengen Rassentrennung geprägt war, und zeigt, wie Chicanos, Schwarze, Weisse und Indigene eine gemeinsame Geschichte hatten und wie sie einander kannten und miteinander umgingen, ohne dass dies einer offiziellen Vorschrift entsprach. Dieser Film ist ein Wunder – das bisher beste Werk eines unserer originellsten und unabhängigsten Filmemacher – und wenn er vorbei ist und man anfängt, darüber nachzudenken, beginnen seine Bedeutungen zu erblühen.» (Roger Ebert, rogerebert.com, 3.7.1996)

John Sayles (USA 1996)

«Vordergründig ist es reine Unterhaltung. In der Wüste bei einer texanischen Stadt nahe der mexikanischen Grenze wird ein Skelett gefunden. Die Gebeine gehören einem verhassten Sheriff aus den 1950er-Jahren. Der jetzige Sheriff vermutet, dass sein eigener Vater den Mord begangen haben könnte. Während er die Geheimnisse der Vergangenheit erforscht, beginnt er sich erneut in seinen Jugendschwarm zu verlieben. (...)
Diese Geschichten – der Mord und die Romanze – bilden das Rückgrat des Films und fesseln uns bis zum Schluss. Aber Sayles hat noch viel mehr im Sinn als Morde und Liebesgeschichten. Wir beginnen, ein Gefühl für die Menschen in Rio County zu entwickeln, wo Weisse, Schwarze, Chicanos und Seminolen sich alle unterschiedlich an die Vergangenheit erinnern. Wir begreifen, dass der tote Sheriff ein sadistisches Monster war, das mit der Waffe an der Hüfte durchs Leben stolzierte und sich das Gesetze nach Lust und Laune zurechtlegte, sodass viele Menschen Grund hatten, ihn zu töten – nicht zuletzt sein Stellvertreter Buddy Deeds. Kurz vor Charlies Verschwinden tauschten sie in einem Restaurant Todesdrohungen aus. Buddy wurde zum neuen Sheriff. (...)
All diese Ereignisse entfalten sich so natürlich und einnehmend, dass man einfach nur mitfiebern kann. Sayles hat schon andere Filme gemacht, die vielen Handlungssträngen gleichzeitig folgen (...). Aber noch nie hat er es auf so fesselnde Weise getan; wie Faulkner erzeugt er einen klaren Eindruck davon, wie die Vergangenheit die Gegenwart heimsucht und wie alte Wunden und Geheimnisse die Überlebenden plagen können. (...)
Lone Star ist ein grosser amerikanischer Film, einer der wenigen, die ernsthaft versuchen, die Art und Weise, wie wir heute leben, mit offenen Augen zu betrachten. Er spielt in einer Stadt, die bis vor Kurzem noch von einer strengen Rassentrennung geprägt war, und zeigt, wie Chicanos, Schwarze, Weisse und Indigene eine gemeinsame Geschichte hatten und wie sie einander kannten und miteinander umgingen, ohne dass dies einer offiziellen Vorschrift entsprach. Dieser Film ist ein Wunder – das bisher beste Werk eines unserer originellsten und unabhängigsten Filmemacher – und wenn er vorbei ist und man anfängt, darüber nachzudenken, beginnen seine Bedeutungen zu erblühen.» (Roger Ebert, rogerebert.com, 3.7.1996)

Drehbuch: John Sayles
Kamera: Stuart Dryburgh
Musik: Mason Daring
Schnitt: John Sayles

Mit: Chris Cooper (Sam Deeds), Elizabeth Peña (Pilar), Joe Morton (Del), Miriam Colon (Mercedes Cruz), Clifton James (Hollis), Kris Kristofferson (Charlie Wade), Ron Canada (Otis), Matthew McConaughey (Buddy Deeds), Frances McDormand (Bunny)

135 Min., Farbe, 35 mm, E/d/f

Spieldaten
Di.,
14.2.2023
20:15
Einführung: Thomas Bodmer


Vergangene Vorstellungen:
Mi.,
25.1.2023
18:15