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Zur Erinnerung an Ennio Morricone: Il mercenario

Ennio Morricone (1928–2020) hat dem Kino einige seiner eigenwilligsten Filmmelodien und Soundtracks beschert. Als kleine Hommage an den Maestro zeigt das Filmpodium Sergio Corbuccis politischen Spaghetti-Western Il mercenario (1968), dessen musikalische Motive oft zitiert worden sind. (Spieldatum: Di, 4.8., 18:00 Uhr) Der am 6. Juli verstorbene Römer Ennio Morricone ist als einer der berühmtesten und angesehensten Filmkomponisten in die Geschichte eingegangen. Über 400 Filme hat er vertont, darunter Pier Paolo Pasolinis Uccellacci e uccellini (1966, mit gesungenen Anfangstiteln!), Gillo Pontecorvos La battaglia di Algeri (1966), Roland Joffés The Mission (1986), Brian De Palmas The Untouchables (1987) und Giuseppe Tornatores Nuovo Cinema Paradiso (1988). Je länger desto mehr geriet er dabei in konventionellere symphonische Fahrwasser. Angefangen aber hatte Morricone als Avantgardist, u. a. als Trompeter beim Römer «gruppo di improvvisazioni Nuova Consonanza». Einflüsse der konkreten Musik spürt man vor allem seinen frühen Kompositionen und Soundtracks an, etwa den Spaghetti-Western seines Schulfreundes Sergio Leone, die alle 2014 im Filmpodium zu sehen und zu hören waren, und erst recht in Elio Petris bizarrem Traumspiel Un posto tranquillo di campagna (1968) mit Franco Nero.
Nero, Sergio Corbuccis Original-Django, spielte auch die Hauptrolle in Corbuccis Il mercenario, einem der ganz grossen Italo-Western, der 1968 als sarkastische Parabel über Revolution und Kapitalismus den Zeitgeist voll traf. Als das Filmpodium 2007 Ennio Morricone eine Filmreihe widmete, entfiel Il mercenario in letzter Minute. Nun wird diese Lücke gefüllt und unser Publikum darf Morricones legendären, oft zitierten Soundtrack geniessen, mit der minimalistischen, gepfiffenen «Mercenario»-Melodie und dem späteren, beim Showdown in der Arena triumphal anschwellenden Trompetenthema. Quentin Tarantino borgte dieses Motiv sowohl in Kill Bill: Volume 2 (2004) als auch in Inglourious Basterds (2009).
Michel Bodmer