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Premiere: Hitlers Hollywood

In Von Caligari bis Hitler (2014) hat sich der Filmpublizist Rüdiger Suchsland mit dem deutschen Kino der Weimarer Zeit auseinandergesetzt. Nun knüpft er mit Hitlers Hollywood, seinem Essay über die NS-Unterhaltungsfilme, daran an. (Spieldaten: Sa, 15.6., 20:45 // Di, 18.6., 20:45 // Di, 25.6., 18:15, in Anwesenheit des Regisseurs // Do, 27.6., 20:45 // Sa, 29.6., 18:15 // So, 30.6., 20:45) Von 1933–1945 wurden in Deutschland über 1000 Spielfilme hergestellt. Auch wenn es sich bei den wenigsten um offene Propaganda handelte: Das nationalsozialistische Kino war staatlich gelenkt, sollte aber zugleich «grosses Kino» sein. Die NS-Filme waren nicht nur technisch perfekt gemacht, mit ihren Stars weckten sie auch Sehnsüchte, liessen träumen, boten Zuflucht – und entwickelten so ihre grosse Wirkungskraft.
«Unter dem analysierten Material finden sich auch die sogenannten ‹Vorbehaltsfilme›, die bis heute nicht für den allgemeinen Vertrieb freigegeben sind und die öffentlich nur eingebunden in kritische Vorträge und anschliessende Diskussionen gezeigt werden sollen.
Sein Erkenntnisinteresse formuliert Suchsland unterdessen als eine Frage, die er als Sprecher im Film mehrfach wiederholt: ‹Was weiss das Kino, was wir nicht wissen?› Und weiter noch: ‹Welche Träume träumten die Deutschen in ihrer ureigenen germanischen Traumfabrik? Wovon sollten sie träumen, wenn es nach den Machthabern ging? ›
Am Ende – aber erschreckenderweise auch schon am Anfang dieses Regimes – war dies vor allem eins: der Tod. Suchsland weist das anhand von vielen idealtypisch ausgewählten Sequenzen nach. (...) Und Hannah Arendt (liefert) indirekt die Begründung dafür, warum man sich mit diesen alten NS-Filmen, so wie Rüdiger Suchsland, heute auseinandersetzen sollte. Denn ‹was die Massen überzeugt, sind keine Fakten, noch nicht einmal erfundene Fakten, sondern die Konsistenz der Illusion›, schrieb Arendt. ‹Die Effektivität der Propaganda demonstriert eine Hauptcharakteristik moderner Massen: Sie glauben an nichts Sichtbares, nicht an die Realität ihrer eigenen Erfahrung, sie trauen nicht ihren Augen und Ohren, sondern allein ihren Phantasien.›» (Susanne Hermanski, Süddeutsche Zeitung, 27.2.2017)