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Rosa von Praunheim

Rosa von Praunheim ist ein Filmemacher, dessen Person von seinem Werk untrennbar ist; auch seine eigene Identität und seine Herkunft gehörten immer wieder zu den Themen, die er erkundete. Zu Ehren der Verleihung des Pink Apple Festival Award an Rosa von Praunheim zeigt das Filmpodium eine Auswahl seiner besten Filme. Rosa von Praunheim ist einer der seltenen Künstler, denen es gelungen ist, mit seinem Werk die gesellschaftliche Wirklichkeit zu verändern. An der Berlinale 1971 hatte der halbdokumentarische Film Nicht der Homosexuelle ist pervers, sondern die Situation, in der er lebt auf dem Internationalen Forum des Jungen Films seine Premiere. Der Film wurde heftig diskutiert, nicht zuletzt weil vor allem die betroffenen Homosexuellen sich nicht in dem vorgehaltenen Spiegel erkennen wollten. In diversen Städten der Bundesrepublik Deutschland formierten sich darauf zumeist studentische Schwulengruppen. Mit der darauffolgenden TV-Ausstrahlung wurde Praunheim erst recht zum Sprachrohr der bewegten queeren Bevölkerung.
Rosa von Praunheims filmisches Œuvre begleitete in den folgenden Jahrzehnten den langen Prozess der gesellschaftlichen Emanzipation der Homosexuellen. Aufgrund seiner unkonventionellen und direkten Art, Missstände in der Gesellschaft aufzuzeigen und Tabuthemen aufzubrechen, wird von Praunheim in den Medien gerne als «Provokateur» oder «Enfant terrible» beschrieben, doch ist es ihm hoch anzurechnen, dass die Fortschritte der gesellschaftlichen Gleichstellung Homosexueller massgeblich auf seine aktivistische Filmarbeit bis in die 1990er-Jahre sowie seine künstlerisch Verbündeten zurückgehen. In über 50 Jahren hat von Praunheim über 150 Kurz- und Langfilme gedreht und gilt nicht nur als Pionier des queeren deutschen Kinos, sondern auch als wichtiger Vorkämpfer der ersten Stunde im Einsatz für die deutsche HIV/AIDS-Prävention.
Das Pink Apple Filmfestival freut sich, diesen herausragenden und für die deutschsprachige LGBT+-Community so wichtigen Künstler, Filmregisseur und Autor am diesjährigen Festival mit dem Pink Apple Festival Award auszeichnen und ehren zu dürfen und in Zusammenarbeit mit dem Filmpodium auserlesene Werke Rosa von Praunheims präsentieren zu können.
Andreas Bühlmann

Andreas Bühlmann ist Programmkoordinator beim Pink Apple Filmfestival.

Nicht der Homosexuelle ist pervers, sondern die Situation, in der er lebt wird übrigens nicht im Filmpodium zu sehen sein, sondern im Kulturhaus Helferei. Details unter pinkapple.ch