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Do Not Expect Too Much from the End of the World
(Nu aștepta prea mult de la sfârșitul lumii)
Radu Jude (Rumänien/Luxemburg/Frankreich/Kroatien 2023)

«Angela ist völlig überarbeitet: Schlaf ist ihre Sehnsucht. Aber sie muss Geld verdienen. Als Produktionsassistentin muss sie sich durch den dichten Verkehr von Bukarest quälen, um Menschen für einen Werbefilm über Arbeitssicherheit zu casten. Auftraggeber ist eine weltweit operierende Firma aus Österreich, die ihr Image aufpolieren will. Gesucht werden Opfer von Arbeitsunfällen, die sich gut für die Agenda der Firma einspannen lassen. Dabei ist es vor allem das Geld, das sie locken soll. Angela wandert durch die Welt der Ärmsten, die längst vom Strom des Kapitals abgekoppelt sind. Dieser narrativen Linie fügt Jude nun mehrere Ebenen hinzu, montiert ein wildes, hochenergetisches Kaleidoskop unserer modernen Welt.» (Sebastian Seidler, kino-zeit.de)
«Niemand kann sowohl das Vergrösserungsglas sein als auch die Ameise, die unter diesem Brennglas verbrennt. Niemand ausser der rumänische Schamane Radu Jude, der mit Do Not Expect Too Much from the End of the World dem Berlinale-Gewinner Bad Luck Banging or Loony Porn von 2021 ein schwindelerregendes, schillerndes Kunststück der Gesellschaftskritik, einen Angriff auf den Zeitgeist von allen Seiten und ein schelmisches, oft urkomisches Kunstwerk über die Künstlichkeit der Arbeit folgen lässt. Witzig und aufbrausend, grob und subtil, ungezähmt und dennoch sorgfältig strukturiert – dieser verrückte Film ist vielleicht auch der vernünftigste Film des Jahres 2023: ein vielschichtiges Manifest, das den absurden verinnerlichten Irrglauben entlarvt, dass man arbeiten muss, um zu leben. Dabei ist es gerade die Arbeit, dieser erbarmungslose tägliche Trott, der uns allen zum Verhängnis werden.» (Jessica Kiang, Variety, 7.8.2023)
«Der Film basiert auf zwei Hauptgeschichten, und diese beiden Geschichten beruhen auf wahren Begebenheiten. In der einen ging es um einen sehr müden Produktionsassistenten, der den ganzen Tag und die ganze Nacht für einen Werbedreh herumfahren musste und trotz seiner wiederholten Bitten nicht nach Hause gehen durfte und gezwungen wurde, so lange zu fahren, bis er am Steuer einschlief und bei einem Unfall starb. Die zweite Begebenheit passierte mir bei den Dreharbeiten zu einer Art Unternehmensfilm mit Opfern von Arbeitsunfällen: Das Unternehmen versuchte tatsächlich, die Schuld den Arbeitern in die Schuhe zu schieben. Diese Erlebnisse sind mir im Gedächtnis geblieben, und im Nachhinein habe ich das Gefühl, dass sie in gewisser Weise exemplarisch für die posttotalitäre Gesellschaft sind, in der wir in Rumänen leben. Es ist ein Film, der sehr an der Erzählung interessiert ist, und seine Struktur ist ein Beweis für dieses Interesse. (…) Ich glaube, dass die Struktur, die Architektur der Geschichte, genauso wichtig ist wie die Geschichte selbst. In diesem Film habe ich versucht, verschiedene Erzählungen, Genres, Arten von Humor und ästhetische Strategien miteinander zu verbinden, und ich hoffe, dass das Publikum dies mit Freude oder Entsetzen oder beidem entdecken wird.» (Radu Jude, LocarnoDaily, 2023)

Drehbuch: Radu Jude
Kamera: Marius Panduru
Schnitt: Cătălin Cristuțiu

Mit: Ilinca Manolache (Angela / Bobita), Nina Hoss (Doris Goethe), Ovidiu Pîrșan, Dorina Lazăr, Andi Vasluianu

163 Min., Farbe + sw, DCP, Rum+E/d

Spieldaten
Mo.,
26.2.2024
18:30
anschl. Filmgespräch mit Radu Jude, Moderation: Clea Wanner