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Film socialisme
Jean-Luc Godard (Schweiz/Frankreich 2010)

«Film socialisme besteht aus drei relativ autonomen, untergründig aber miteinander kommunizierenden Teilen und mehreren Dutzend Splittern, deren Rekonstruktion kein Ganzes ergibt. Muss man genau aufpassen? Teil 1 spielt auf einem Kreuzfahrtschiff, welches im erweiterten Mittelmeer herumfährt. (...)
Film socialisme evoziert Trümmer der Geschichte um das ‹Mare Nostrum› herum: von Hellas bis nach Barcelona. An Bord des Traumschiffs: Nazi-Jäger, Kriegsverbrecher, Finanzjongleure, Spione, Kinder, die Fragen stellen, und, ja, Patti Smith. (...) Alain Badiou hält eine Vorlesung über Geometrie, allerdings in einem leeren Saal. Später im Mittelteil des Films, steht ein Lama an einer Tankstelle in Südfrankreich, und deutsche Touristen werden auch 65 Jahre nach Kriegsende noch immer als Eroberer beschimpft.
Der dritte Teil, ‹Nos humanités›, schliesst wieder an den ersten Teil an, kehrt nach Odessa zurück, wo Eisenstein einst Gegen-Bilder im Dienste einer grossen Sache entwickelte, die sich dann irgendwann zerschlagen hat. Aber die Bilder sind noch da. Es geht um den Konflikt zwischen Israel und Palästina, um den Holocaust – und um ‹Democracy + Tragedy married. One child. Civil War.› Barcelona. Godard durchstreift mit seiner multimedialen, vielsprachigen Collage die 2000-jährige Geschichte des Mittelmeerraumes, zitiert Bilder aus Filmen wie The Battle of Marathon oder auch Cheyenne Autumn, lässt Derrida und Hannah Arendt zu Wort kommen, setzt dann noch mal an und erzählt die Geschichte des 20. Jahrhunderts – und ist in seiner Fixierung auf den Mittelmeerraum dann doch plötzlich sehr aktuell, wenn man an den Arabischen Frühling und die Griechenland-Krise denkt. (...)
Man kann das alles (...) unerträglich manieriert und berechenbar und auch in seiner Beharrlichkeit stur finden, aber kann sich auch sehr gut treiben lassen vom Fluss des Film socialisme. Letztlich muss man sich darauf verständigen, was Film ist und/oder hätte sein können. Und was man damit anfangen will. Godard, so viel steht fest, könnte ewig so weitermachen.» (Ulrich Kriest, filmgazette.de, 10.7.2017)

Drehbuch: Jean-Luc Godard
Kamera: Fabrice Aragno, Paul Grivas

Mit: Jean-Marc Stehlé (Otto Goldberg), Agatha Couture (Alissa)

102 Min., Farbe, 35 mm, OV/d

Spieldaten


Vergangene Vorstellungen:
So.,
13.12.2020
20:45
Vorstellung findet nicht statt