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2 ou 3 choses que je sais d'elle
Jean-Luc Godard (Frankreich 1967)

«Sie, das ist Marina Vlady, die Hauptdarstellerin. Sie, das ist Juliette Jeanson, die Protagonistin. Sie, das ist die Region Paris. Sie, das ist die Welt, in der wir leben, eine Welt, die mit herkömmlichen erzählerischen Mitteln nicht mehr zu erfassen, verstehen, beschreiben ist. Jean-Luc Godard verlegt sich auf die soziologische Collage, füllt ein phänomenologisches Sammelalbum, geht auf Forschungsreise durch eine Gegenwart, (...) (er)findet das Universum in einer Espressotasse. 24 Stunden aus dem Alltag einer Hausfrau und Mutter – die wie viele ihrer Standesgenossinnen nachmittags anschaffen geht, um die Familienkasse aufzubessern – bilden die Referenzfläche für Beobachtungen von (lebendigen) Dingen und (toten) Menschen, für Gedanken zu Sprache und Wahrheit, für Betrachtungen über Liebe und Kapitalismus. Zu Raoul Coutards hyperästhetisch-analytischen Techniscope-Einstellungen reflektiert, spekuliert, schwadroniert, doziert, philosophiert Godard aus dem Off mit gepresster Flüsterstimme, als gäbe er wohlgehütete Geheimnisse preis, unter anderem über die Unbewohnbarkeit der Städte, über das Leben als Comicstrip, über den Krieg in Vietnam, über die Gestapo der Strukturen, über die Welt als Bordell.» (Sebastian, KinoTageBuch, 12.1.2020)

«Godard liess sich weitgehend von einer Untersuchung von Catherine Vimenet in ‹Le Nouvel Observateur› inspirieren, über die parallel zur Entwicklung der grossen Wohnsiedlungen in der Pariser Region aufkommende Gelegenheitsprostitution. Er nimmt ganze Sätze daraus ins Drehbuch auf und verwandelt den Film (...) in einen ambitionierten Dialog zwischen einem Moment im Leben einer verheirateten Frau, Mutter zweier Kinder, (...) und einem Moment im Leben einer sich verändernden Stadtlandschaft. Aus dieser doppelten Ambition entsteht ein Film, der ebenso konzeptuell und theoretisch wie sensibel und kraftvoll ist, aber auch eine reine dokumentarische Geste, die den Pariser Sommer 1966 so nah wie möglich einfängt.
Godard opfert (...) das ‹Erzählen› zugunsten eines rohen ‹Sehens› und integriert alle möglichen Charaktere und Ereignisse ausserhalb der Handlung, in der Überzeugung, dass sie ihren Platz im Film finden werden, wenn er geschnitten wird. Diese Methode vermittelt das Gefühl eines fragmentierten Films, aber eines von absoluter Kohärenz, grossem Reichtum und immenser Freiheit.» (Caroline Maleville, Retrospektive Jean-Luc Godard, Cinémathèque française, Januar 2020)

Drehbuch: Jean-Luc Godard
Kamera: Raoul Coutard
Schnitt: Françoise Collin, Chantal Delattre

Mit: Marina Vlady (Juliette Jeanson), Anny Duperey (Marianne), Roger Montsoret (Robert Jeanson), Raoul Lévy (John Bogus, der Amerikaner), Jean Narboni (Roger), Jean-Luc Godard (Erzähler)

90 Min., Farbe, DCP, F/d

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