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La fièvre monte à El Pao
Luis Buñuel (Frankreich/Mexiko 1960)

«El Pao ist ein so abgeschiedener Ort, dass selbst Touristen ihn meiden, wie wir hören; Luis Buñuel widmet ihm eine bissige Studie mit unverkennbaren Spuren von Huston, Clouzot und Francos Spanien. Als Stellvertreter für den unsichtbaren Herrscher dient ein Rohling mit Generalissimo-Mütze, mit einer stürmischen Frau, Inés, die am verlockendsten ist, wenn sie nach einem Handgemenge auf dem Sofa liegt, mit hochgerutschtem Rock und blutiger Lippe. Als der Despot mitten in einer Rede erschossen wird, ist die erste Reaktion der Stadtbewohner, sich auf das Fleisch zu stürzen, das man ihnen nach der Zeremonie versprochen hat. Ein Tyrann ersetzt den anderen – der reaktionäre Gual (Jean Servais) übernimmt den Thron des Gouverneurs und macht sich daran, den idealistischen Verwalter Vázquez (Gérard Philipe), seinen Rivalen um die Zuneigung der Witwe, zu vernichten. Ein Hauch von Robbe-Grillet schmückt Guals Büro mit seinem Laubwerk, Fensterläden und dräuenden Schatten, ein privater Dschungel, in dem Inés um das Leben ihres Geliebten feilscht. ‹Wäre ich weniger brutal gewesen, hätte ich nie die Frau gesehen, die du bist›, vertraut der fesche Despot der Heldin an. ‹Ist das eine Liebeserklärung?› (In der Arena hinter ihnen wird der Matador aufgespiesst, doch der Stier wird schliesslich zu Fall gebracht.) Der Protagonist verurteilt die Ungerechtigkeiten der Strafkolonie, doch seine Handlungen während des Gefangenenaufstands beweisen, dass Philipes Ähnlichkeit mit einem jungen Servais nicht zufällig wirkt (‹Bin ich besser?›). Un chien andalou war ein Ruf zu den Waffen, dreissig Jahre später ist sich Buñuel der Schwierigkeiten der Revolution stärker bewusst. Wie kann man eine politische Ordnung herausfordern, die einen zu verschlingen droht? Inés rennt den Weg der Amour fou entlang durch einen Kugelhagel, während Vázquez erkennt, dass in einem System, das bis zum Hals in Papieren steckt, die auf eine Unterschrift warten, Befreiung (und Tod) auf den radikalen Akt folgt, sie zu zerreissen.» (Fernando F. Croce, cinepassion.org)

Drehbuch: Luis Buñuel, Lois Alcoriza, Louis Sapin, Charles Dorat, nach einem Roman von Henri Castillou
Kamera: Gabriel Figueroa
Musik: Paul Misraki
Schnitt: James Cuenet, Rafael López Ceballos

Mit: Gérard Philipe (Ramón Vásquez), María Félix (Inès Vargas), Jean Servais (Alejandro Gual), Miguel Angel Ferriz (Gouverneur Vargas), Raúl Dantés (García), Domingo Soler (Prof. Gardenas), Víctor Junco (Indarte), Roberto Cañedo (Col. Olivares), Luis Aceves Castañeda (López), Andres Soler (Carlos Barreiro)

97 Min., sw, DCP, F/e

Spieldaten


Vergangene Vorstellungen:
Do.,
21.11.2019
20:45
So.,
24.11.2019
15:00
Di.,
3.12.2019
18:15