Nüschelerstrasse 11, 8001 Zürich, Kinokasse 044 211 66 66

< Zurück
Les deux timides
René Clair (Frankreich 1928)

René Clair, zuvor eher für avantgardistische Filme wie Entr’acte bekannt, wandte sich bei der von Exilrussen geführten Produktionsfirma Albatros der Komödie zu. Der Rückgriff auf Theaterstoffe mag auf den ersten Blick kaum Clairs früherer Forderung nach Filmen entsprechen, «die direkt für die Leinwand geschrieben sind und die spezifischen Mittel der Kamera verwenden». Der scheinbare Widerspruch löst sich auf, wenn man sieht, wie Clair, durchaus noch avantgardistisch, an die Stelle der Bühnendialoge eine «mit den Mitteln der Kamera» erzeugte Komik setzt.
«René Clairs wichtigste Filme der Stummfilmzeit, Un chapeau de paille d’Italie und Les deux timides, lassen sich aus dem Boulevardtheater ebenso wie von den Grotesken Mack Sennetts herleiten. Sie stehen in jenem eigentümlichen Spannungsverhältnis zwischen sozialer Realität, poetischer Erfindung und Ironie, die das Besondere des clairschen Stils ausmacht. (…) In Les deux timides gab Clair seinen Personen stärkeres psychologisches Profil. Im Mittelpunkt steht ein schüchterner und furchtsamer Rechtsanwalt, den eine Maus im Gerichtssaal völlig durcheinanderbringt und der sich dem Mädchen, das er liebt, nicht zu erklären wagt. (…) Das stete Zögern der Protagonisten vor notwendigen Entscheidungen und ihre Unsicherheit setzt der Film in ballettartige Bildfolgen um.» (Ulrich Gregor/Enno Patalas: Geschichte des Films, Sigbert Mohn 1962)
Nach einer mehreren Restaurierungen (1958, 1983 und in den frühen 90er-Jahren) wurde 2016 durch die Cinémathèque française auf der Grundlage des Negativs und der Original-Nitrat-Zwischentitel eine 4K-Restaurierung erstellt. Diese konnte dank der Digitalisierung des CNC und der Partnerschaft mit dem San Francisco Silent Film Festival abgeschlossen werden.

Drehbuch: René Clair, nach einem Einakter von Eugène Labiche, Marc Michel
Kamera: Robert Batton, Nicolas Roudakoff
Schnitt: René Clair

Mit: Maurice de Féraudy (Thibaudier), Pierre Batcheff (Frémissin), Véra Flory (Cécile Thibaudier), Jim Gérald (Anatole Garadoux), Yvette Andreyor (Mme Garadoux), Françoise Rosay (Frémissins Tante), Louis Pré fils (Cousin Garadoux), Madeleine Guitty (Annette), Léon Larive (Cousin Thibautier)

66 Min., sw, DCP, Stummfilm, f Zw'titel

Spieldaten
Di.,
23.1.2018
21:00
Stummfilm mit André Desponds am Flügel (der angekündigte Joachim Bärenz musste aus familiären Gründen leider absagen)