Nüschelerstrasse 11, 8001 Zürich

< Zurück
Funny Games
Michael Haneke (Österreich 1997)

Anna und Georg planen mit ihrem Sohn Schorschi ein paar Tage in ihrem Ferienhaus am See. Kaum sind sie angekommen, schaut Peter, der Sohn der Nachbarin, vorbei. Als kurz darauf auch sein Freund Paul auftaucht, nehmen die beiden die Familie als Geiseln und beginnen ein grausames Katz-und-Maus-Spiel.
«Ich versuche Wege zu finden, um Gewalt als das darzustellen, was sie immer ist, als nicht konsumierbar. Ich gebe der Gewalt zurück, was sie ist: Schmerz, eine Verletzung anderer», sagt Michael Haneke über sein kontroverses Werk. Im Spiel mit Metalepsen – direkter Zuschaueransprache und Durchbrechung der Erzählebenen – stellt der Regisseur den Film als Konstrukt aus und reflektiert dabei das Medium im Kontext von Gewaltdarstellungen und deren Faszination. Da Haneke dabei nicht zuletzt die Normen des US-Kinos kritisierte und dessen Publikum erreichen wollte, drehte er zehn Jahre später auf Englisch ein exaktes Remake seines eigenen Films. (mk)
«Jeder Kino-Regisseur, der sein Publikum moralisch läutern will, sieht sich mit einem kaum auflösbaren Widerspruch konfrontiert. Wer zum Beispiel vor den Schrecken des Krieges warnen will, muss sie zeigen (…). Und damit verwickelt sich die läuternde Absicht in einen Strudel von Ambivalenzen. Denn das Bild der Gewalt ist stets auch faszinierend. Gewalt, die körperliche Konfrontation, definiert das Kino. Für die Diskussion um Gewalt, Bilder und Moral ist Funny Games ein Markstein. (…) Funny Games ist ein faszinierend inszenierter Alpdruck, in dem alles immer schlimmer wird. (…) Und wir, die Zuschauer, werden zu Komplizen des fortschreitenden Terrors. Funny Games scheint, von Szene zu Szene, heftiger zu fragen: Warum gehen Sie nicht? Wollen Sie das wirklich sehen? (…) Haneke will den endlosen Fluss der Fernsehbilder kritisieren, in denen die Zeichen dem Bezeichneten fremd geworden und zu Formeln erstarrt sind. Er rebelliert gegen die Inflation der Bilder und unseren gleichgültigen Blick.» (Stefan Reineck, epd Film, 9/1997)

Drehbuch: Michael Haneke
Kamera: Jürgen Jürges
Musik: Georg Friedrich Händel, Wolfgang Amadeus Mozart, John Zorn
Schnitt: Andreas Prochaska

Mit: Susanne Lothar (Anna), Ulrich Mühe (Georg), Frank Giering (Peter), Arno Frisch (Paul), Stefan Clapczynski (Schorschi), Doris Kunstmann (Gerda), Christoph Bantzer (Fred), Wolfgang Glück (Robert), Susanne Meneghel (Gerdas Schwester), Monika Zallinger (Eva)

108 Min., Farbe, DCP, D/f

Spieldaten


Vergangene Vorstellungen:
Mo.,
20.11.2017
18:15
Mi.,
22.11.2017
20:45