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The Rat
Graham Cutts (GB 1925)

Zélie de Chaumet tummelt sich gerne im Nachtleben von Paris und verliebt sich in Pierre Boucheron, «die Ratte». Pierre aber hat eine gutherzige Freundin, Odile, und widersteht zunächst Zélies Verführungskünsten. Als er endlich nachgibt, muss er feststellen, dass Odile das Opfer eines Wüstlings zu werden droht.
Graham Cutts ist in die Filmgeschichte vor allem als Lehrmeister von Alfred Hitchcock eingegangen. Wie viel Cutts zu bieten hatte, lässt sich an diesem Film ablesen, den er ohne seinen gewohnten Assistenten drehte, als dieser gerade in München seinen Regieerstling The Pleasure Garden realisierte.
«Dem visuellen Schwung und der Belebtheit von The Rat nach zu urteilen, kam Cutts gut ohne Hitchcock aus. Abgesehen von einer imaginierten Einstellung, in der eine Guillotine heraufbeschwört wird, ist The Rat kein Drama mit grosser psychologischer Tiefe; dennoch bleibt der Film als selbstbewusst präsentierte Darstellung von Oberflächenreizen durchgehend plausibel und einnehmend. (…) Kamerafahrten verleihen den Szenen im ‹White Coffin› Lebendigkeit und Fluss. Der Nachtclub in Montmartre ist ein Schauplatz, der sich mit seinen sargförmigen Öffnungen, seiner verschachtelten Bauweise und der ungehobelten Kundschaft sogleich in das Gedächtnis einbrennt.
Bei dieser filmischen Parade der Genüsse spielt die Besetzung eine wesentliche Rolle. Das Profil voran, mit grosszügigem Make-up um Lippen und Augen, verströmt Novello in dieser Rolle, die darauf zugeschnitten wurde, den Nervenkitzel von Messerkämpfen, die Wärme seines Lächelns und die Verwunderung in seinen seelenvollen Augen vorzuführen, aussergewöhnliches Charisma. Mae Marshs Darbietung ist einnehmend emotional, aber kurz; viel mehr Platz wird der von Isabel Jeans dekorativ dargestellten Aristokratin Zélie eingeräumt, die sich unters gemeine Volk mischt. Im damaligen britischen Kino konnte es niemand mit Jeans aufnehmen, wenn es darum ging, elegant den Arm auszustrecken oder sich inmitten von Kissen und Perlen lasziv auf dem Sofa zu räkeln. In solchen Momenten zeigt Cutts einen Zug, den er Hitchcock vererbte: Er machte Kamera und Zuschauer zu Voyeuren. Cutts’ Vorliebe für suggestives Spektakel zeigt sich auch in den faszinierenden Folies-Bergères-Aufnahmen, die vor Ort gedreht wurden, und der umwerfenden Anfangsszene mit den elektrischen Lichtern von Montmartre.» (Geoff Brown, Katalog Giornate del cinema muto, Pordenone 2015)

Drehbuch: Graham Cutts, nach einem Theaterstück von Ivor Novello, Constance Collier
Kamera: Hal Young

Mit: Ivor Novello (Pierre Boucheron, «the Rat»), Mae Marsh (Odile), Isabel Jeans (Zélie de Chaumet), James Lindsay (Inspecteur Caillard), Marie Ault (Mère Colline), Kulie Suedo (Mou-Mou), Robert Scholz (Hermann Stetz), Hugh Brook (Paul), the Tiller Girls (die Folies-Bergère-Tänzerinnen)

78 Min., tinted, 35 mm, Stummfilm, engl. Zw'titel

Spieldaten


Vergangene Vorstellungen:
Mi,
18.1.2017
18:15
Live-Begleitung: Stephen Horne