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Münchhausen
Josef von Báky (Deutschland 1943)

Seltsam ist die verblüffende Ähnlichkeit des Barons von Münchhausen mit seinem Urahnen, dessen Antlitz von einem 200 Jahre alten Ölgemälde herunterlächelt. Als Münchhausen eines seiner berühmten Feste feiert, gesteht ihm die blutjunge Sophie von Riedesel ihre Liebe. Diese Offenbarung nimmt er zum Anlass, am nächsten Tag eine wunderliche, absurde, abenteuerliche und überaus spannende Lebensbeichte abzulegen – es ist sowohl seine eigene Geschichte als auch die des lächelnden Mannes auf dem Gemälde.
«Als Jubiläumsfilm zum 25-jährigen Bestehen der Produktionsfirma Ufa 1943 hergestellt, wurde der Film mit einem für die Kriegsverhältnisse aberwitzigen Aufwand für fünf Millionen Reichsmark gedreht. Der Film sollte noch einmal der Welt die Macht Deutschlands und dem amerikanischen Kino die Potenz der deutschen Filmindustrie demonstrieren. Seine Herstellung als Farbfilm (mit dem damals noch neuen Agfacolor-Material) führte dazu, dass die Szenen mehrfach gedreht wurden, um genügend Mutterbänder für Kopien zur Verfügung zu haben. (…) Als der Film uraufgeführt wurde, war Stalingrad bereits verloren, hatte Goebbels den totalen Krieg ausgerufen und war von den Alliierten die bedingungslose Kapitulation Deutschlands gefordert worden. Die deutschen Soldaten standen in fast ganz Europa, und die Reisewut des Münchhausen erschien als die fantastische Ausgestaltung der deutschen Eroberungssucht. Der Ausstattungsreichtum hob sich scharf ab von dem Elend und der Zerstörung des Krieges. (…) Die Spezialeffekte haben den Film zum Schulbeispiel für den Trickeinsatz werden lassen. Doch es sind heute weder die tollwütigen Kleider (…) noch der sprechende körperlose Kopf der Mondfrau, die faszinieren, sondern filmisch-erzählerische Irritationen, die an Truffauts La nuit américaine erinnern. (…) Es ist deshalb weniger die sich selbst dekuvrierende Thematisierung des NS-Propagandaapparats in den Lügengeschichten Münchhausens, sondern mehr die Utopie solcher moderner Wahrnehmungs- und Zerstörungsmaschinerien, die den Film heute noch sehenswert machen.» (Knut Hickethier, in: Filmklassiker, Reclam 1998)

Drehbuch: Erich Kästner, teilweise basierend auf den Erzählungen «Wunderbare Reisen zu Wasser und zu Lande» von Gottfried August Bürger
Kamera: Werner Krien
Musik: Georg Haentzschel
Schnitt: Milo Harbich, Walter Wischniewsky

Mit: Hans Albers (Baron Münchhausen), Hans Brausewetter (Freiherr von Hartenfeld), Marina von Ditmar (Sophie von Riedesel), Käthe Haack (Baronin Münchhausen), Ferdinand Marian (Graf Cagliostro), Leo Slezak (Sultan Abdul-Hamid), Hilde von Stolz (Louise La Tour), Brigitte Horney (Zarin Katharina II), Ilse Werner (Prinzessin Isabella d'Este), Gustav Waldau (Giacomo Casanova), Marianne Simson (Mondfrau), Wilhelm Bendow (Mondmann)

110 Min., Farbe, 35 mm, D

Spieldaten


Vergangene Vorstellungen:
Mo.,
8.4.2013
18:15
Mi.,
10.4.2013
20:45
So.,
14.4.2013
15:00