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Wilder Urlaub
Franz Schnyder (Schweiz 1943)

Ein Deserteur flieht durch den strömenden Regen, im Glauben, seinen Vorgesetzten erschlagen zu haben. In einer Pension in der Zürcher Altstadt findet er Unterkunft, aber die Albträume plagen ihn weiter. Als er einem anderen Untermieter zivile Kleider stehlen will, wird er entdeckt, mit gezückter Pistole gestellt – und gesteht: Ein alter Schulkamerad aus reichem Hause hat sich von ihm, dem Arbeitersohn, im Laufe der Jahre distanziert, ihn dann als Vorgesetzter beim Militär schikaniert. Die Aussprache hat unerwartete Folgen.
Als starken Kontrast zu seiner patriotischen Gilberte de Courgenay (1941) realisierte Franz Schnyder 1943 den Film Wilder Urlaub nach einer Romanvorlage von Kurt Guggenheim. Der Deserteur ist eine Hauptfigur, wie es sie 1943, als die Schweiz ringsum eingeschlossen und bedroht war, nach Meinung der Militärbehörden in der Schweizer Literatur, im Film und natürlich in der Realität nicht hätte geben dürfen – er widersprach dem Credo der geistigen Landesverteidigung. Obwohl sich am Ende alles in Minne auflöst, hätte das EMD den Film am liebsten verhindert. Die Presse allerdings würdigte den Film durchwegs.
«Eine Art Schweizer Noir avant la lettre, visuell einfallsreich und kompakt inszeniert trotz problematischer Entstehungsgeschichte – Behörden und Armee erzwangen Änderungen wegen der (militär-)kritischen Tendenzen, das Publikum lehnte den finsteren, ‹unerwünschten› Film ab, sein Hauptdarsteller ging in die DDR, für den Regisseur Schnyder folgten zehn Jahre Zwangspause. Heute scheint er unglaublich. Eine Wiederentdeckung.» (Christoph Huber, Österreich. Filmmuseum Wien, März 2005)

Drehbuch: Franz Schnyder, Richard Schweizer, Kurt Guggenheim, nach dem Roman von Kurt Guggenheim
Kamera: Emil Berna
Musik: Robert Blum
Schnitt: Hermann Haller

Mit: Robert Troesch (Mitrailleur Hermelinger), Paul Hubschmid (Fritz Hablützel), Robert Freitag (Feldweibel Epper), Adolf Manz (Emil Ruttishuser), Elfriede Volker (Frau Ruttishuser), Sylva Denzler (Emma Quadri), Johannes Steiner (Dr. Krebser, der Arzt), Max Werner Lenz (Lampenverkäufer)

84 Min., sw, 35 mm, Dial/f

Spieldaten


Vergangene Vorstellungen:
Mo.,
15.4.2013
21:00
Mi.,
17.4.2013
17:30
Fr.,
26.4.2013
15:00