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Ossessione
Luchino Visconti (Italien 1943)

Ein Landstreicher findet an einer heruntergekommenen Tankstelle Arbeit. Schon bald beginnt er mit der unglücklichen, impulsiven Ehefrau des Besitzers eine leidenschaftliche Affäre – die beiden beschliessen, den Ehemann zu beseitigen.
Mussolini soll die Vorführung von Luchino Viscontis Debütfilm Ossessione mit den Worten «Questa non è l'Italia!» empört verlassen haben, unmittelbar danach wurde der Film von der staatlichen Zensur verboten und erst nach dem Krieg wieder freigegeben. Visconti setzte sich von den konventionellen italienischen Spielfilmen der Mussolini-Ära ab, weil er sich an der italienischen Alltagswirklichkeit orientierte. Der Regisseur zeigte dem Publikum das tatsächliche Italien der «kleinen Leute» und nicht den Luxus der Oberklasse. Um dieses Neue, Ungeschminkte mit einem Namen zu versehen, hat man auf einen Ausdruck zurückgegriffen, den Viscontis Cutter Mario Serandrei für den Stil des Films vorgeschlagen hat: Neorealismo.
«Als die ‹Explosion› des Neorealismus im italienischen Film wurde Ossessione lange bezeichnet, doch ist der Film weniger die Geburt dieser neuen Richtung des Kinos als deren Vorbild: radikale ästhetische Opposition gegen das konformistische und eskapistische Kino in der Epoche des Faschismus. (…) Die Welt von Ossessione ist ein Gefängnis aus Abhängigkeiten, aus Elend, aus dem Zwang, sich verkaufen zu müssen, ein Gefängnis auch der Leidenschaften. Die zahlreichen Kamerafahrten und -schwenks fügen die Personen ein in Räume, die sie in ihre Schäbigkeit einzusaugen scheinen. (…) Das Diffuse, vom Licht der Po-Landschaft über das Licht in den Innenräumen bis zu den Gefühlen, die den Personen selbst nicht klar werden, ist die Signatur von Viscontis Debüt. In ihm sind schon alle Elemente seines ‹anthropomorphen Kinos› (Visconti) enthalten: Ossessione zeigt Menschen, die inmitten von Dingen leben, die ihr Leben bestimmen. (…) In Ossessione weiss keine Figur, was Glück wirklich sein könnte. Visconti lässt sie alle scheitern.» (Bernd Kiefer, in: Filmklassiker, Reclam 1998)

Drehbuch: Luchino Visconti, Mario Alicata, Giuseppe De Santis, Gianni Puccini, nach dem Roman «The Postman Always Rings Twice» von James M. Cain
Kamera: Domenico Scala, Aldo Tonti
Musik: Giuseppe Rosati
Schnitt: Mario Serandrei

Mit: Clara Calamai (Giovanna Bragana), Massimo Girotti (Gino Costa), Dhia Cristiani (Anita), Elio Marcuzzo (der «Spanier»), Juan de Landa (Giuseppe Bragana, Giovannas Mann), Vittorio Duse (Detektiv), Michele Riccardini (Don Remigio), Michele Sakara (Kind, ungenannt)

140 Min., sw, 35 mm, I/f

Spieldaten


Vergangene Vorstellungen:
Mo.,
22.4.2013
18:15
Mi.,
24.4.2013
20:45