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Un héros très discret
Jacques Audiard (Frankreich 1996)

Im Winter 1944/45 setzt sich ein junger Mann aus einer unbedeutenden Existenz in einem Provinzkaff ab Richtung Paris, wo er als angeblicher Résistance-Kämpfer zu Rang und Ehren in der militärischen Nachkriegsverwaltung kommt. Seine fulminante Hochstaplerkarriere nimmt eine neue Wendung, als er in Deutschland französische Kollaborateure enttarnen soll, die ähnliche Lügengebäude errichtet haben wie er selbst.
Audiards brillante zweite Regiearbeit nimmt vordergründig jenes Frankreich nach dem Zweiten Weltkrieg aufs Korn, in dem keiner mehr Kollaborateur und jeder Widerstandskämpfer gewesen sein wollte. Doch was als surreal verbrämte Burleske über ein Dorf am Ende der Welt anfängt, wo ein Grünschnabel in der ersten Verliebtheit ins literarische Plagiieren stolpert, steigert sich mit der Flucht dieses Antihelden nach Paris zu einem Charakterporträt von grösserer Tragweite. Audiards diskreter Held ist kein Betrüger aus Kalkül, sondern Herr Jedermann, der aus Opportunismus und durch Zufallsbegegnungen in eine Biografie gerät, von der er nie zu träumen gewagt hätte. Auch so entkommt er indes nicht der Verantwortung, und kühn schlägt das schräge Märchen ins Schwarze um, wenn der Hochstapler sechs Franzosen aburteilen muss, die in der deutschen Armee gedient haben. Das Ende wiederum ist von versöhnlicher Heiterkeit, als wolle uns Audiard zu verstehen geben, dass wir alle den Hang seines diskreten Helden in uns haben, unser Tun und Treiben Dritten gegenüber zu beschönigen, um eben jemand zu sein. (afu)

Drehbuch: Alain Le Henry, Jacques Audiard, nach dem Roman von Jean-François Deniau
Kamera: Jean-Marc Fabre
Musik: Alexandre Desplat
Schnitt: Juliette Welfling

Mit: Mathieu Kassovitz (Albert Dehousse), Jean-Louis Trintignant (der Erzähler), Anouk Grinberg (Servane), Sandrine Kiberlain (Yvette), Albert Dupontel (Dionnet), Nadia Barentin (Mme Louvier/Mme Revuz), Bernard Bloch (Ernst), François Chattot (Louvier), Philippe Duclos (Caron), Danièle Lebrun (Mme Dehousse), Bruno Putzulu (Meyer)

105 Min., Farbe, 35 mm, F/f

Spieldaten


Vergangene Vorstellungen:
Mi.,
26.5.2010
15:00
Fr.,
28.5.2010
18:15
Di.,
1.6.2010
21:00